sun timeline - the sun outside my window

 

Michael Michlmayr’s works are basically concerned with the relationship between time and space. There is another component that frequently comes into play: natural or artificial light with which he – oscillating between action and reality – does not only attempt to visualise changes in space and the passing of time in photographic images but also underlines their atmospheric, colour and thus key visual qualities. In his current project, Die Sonne vor meinem Fenster (the sun outside my window) from which series the photo 36 Tage Referenz #1 was shown in the Lichtqualitäten (light qualities) exhibition at the Fotogalerie Wien he made extremely long – 24-hour-a-day – exposures over a period of 36 days of the landscape outside his window.

 

This resulted in depicting the sun’s orbit with its changing position, light intensity and quality throughout the period. While the photographer or rather the camera remained in the same position in the studio, the exterior world was in constant movement. 36 Tage Referenz #1 shows the superimposition of sunlight and also compresses the passing of 36 days. Although the picture made use of black and white lm material, it reveals colour values and the damage to the negative done by the intense sunlight, conveying an atmosphere that is both poetic and timeless or even supra-temporal. In other photo works that are also pictures of abstracted reality, Michlmayr is concerned with representing the passage of time and a feeling for space by using light.

 

The photo, TV (2016) shows a facade where the windows exhibit different colours because of the different TV programmes playing inside. Some of the windows were replicated by Michlmayr and inserted. This created active situation that is an irritation to our perception of space and time. At the same time the coloured light areas of the facade make it appear to be a picture. Something similar also takes place in Skyline 2008–2014, a photo that appears to be a real exposure of an office building at night. In fact we are dealing with a time shifted photo taken from the same position, an office building constructed using digital montage, an illuminated office or a duplicated door. The sum of the light events stands for the visualisation of the passing of time and for the resulting abstracted image.

 

Petra Noll-Hammerstiel

 

 

sun time line - die sonne vor meinem fenster

 

Grundsätzlich geht es in den Arbeiten von Michael Michlmayr um das Verhältnis von Zeit und Raum. Häufig kommt auch eine weitere Komponente ins Spiel, das natürliche oder künstliche Licht, mit dem er sich zwischen Fiktion und Realität bewegend – nicht nur die Veränderung von Raum und den Verlauf von Zeit im fotografischen Bild zu visualisieren versucht, sondern auch dessen atmosphärische, farbliche und somit bildprägende Qualitäten unterstreicht.

 

In dem aktuellen Projekt Die Sonne vor meinem Fenster, aus dem in der Ausstellung Lichtqualitäten der Fotogalerie Wien das Foto 36 Tage Referenz #1 gezeigt wird, hat er mit extremer Langzeitbelichtung über 36 Tage jeweils 24 Stunden lang die Landschaft vor seinem Fenster fotografiert und die „Sonnenbahn“ mit ihrer sich ändernden Position, Intensität und Lichtqualität während dieser Zeit abgebildet. Während der Fotograf bzw. die Kamera immer am gleichen Standort im Atelier blieb, war die Außenwelt ständig in Bewegung. In dem Foto 36 Tage Referenz #1, das die Überlagerungen der Sonnenlichtbahnen zeigt, findet eine Komprimierung des Zeitverlaufs dieser 36 Tage statt.

 

Das Bild, das trotz der Verwendung von Schwarzweiß-Filmmaterial farbliche Werte zeigt sowie die durch intensives Sonnenlicht entstandene Verletzung des Negativs sichtbar macht, vermittelt die Stimmung von Poesie und Zeitlosigkeit bzw. Überzeitlichkeit. Auch in anderen Fotoarbeiten, ebenfalls abstrahierte Bilder der Wirklichkeit, geht es Michlmayr darum, Zeitverlauf und Raumgefühl durch Licht darzustellen.

 

Das Foto TV (2016) zeigt eine Fassade, deren Fenster auf Grund der Ausstrahlung verschiedener TV-Programme farblich differieren. Einige der Fenster hat Michlmayr vervielfältigt und einmontiert. Es ent- stand eine fiktive Situation, die die Raum-/Zeitwahrnehmung irritiert. Gleichzeitig lassen die farbigen Lichtflächen die Fassade als Bild erscheinen. Dies geschieht ähnlich in Skyline 2008–2014, dem Foto eines scheinbar realen, erleuchteten Bürogebäudes in der Nacht. Tatsächlich handelt es sich um ein zeitversetzt vom immer gleichen Standort fotografiertes und durch die digitale Montage neu entstandener beleuchteter Büros bzw. duplizierter Stockwerke gewachsenes Gebäude. Die Summe der Lichtereignisse steht für die Visualisierung eines Zeitverlaufs sowie für ein abstrahiertes Bildresultat.

 

Petra Noll-Hammerstiel