pairs

 

Michael Michlmayr erweist sich mit „pairs“, einem spannenden work in progress, nicht nur als Fotokünstler, der einen äußerst sensiblen Blick fürs Detail entwickelt hat, sondern auch als fotografierender Philosoph und die Kontingenz erforschender Psychologe mit Sinn für Humor.

Der bekannte Literat Franz Schuh treffend zum Phänomen Kontingenz und seiner Bewältigung durch Kunst: „Wenn man den Zufall nicht bändigen kann, muss man eben mit ihm arbeiten. Aber Arbeit bedeutet, (eine) Ordnung schaffen, der „Inventionismus“ wird methodisch. (...) Es kommt darauf an, dass die Ordnung, die den Zufall verwaltet, frei gewählt ist.“ Dieses demokratische Element findet sich überall in „pairs“, Michael Michlmayr präsentiert seine Funde so, dass die unbekannten SchöpferInnen als die eigentlichen KünstlerInnen erscheinen, in dem er die vorgefundenen Situationen so abbildet, dass sie wie beabsichtigte Installationen wirken.

Darüberhinaus zeigt sich der Künstler als Könner der Erzählung, die Gegenüberstellung der Bilder hat ein stark narratives Element – im Betrachter/in der Betrachterin entstehen dadurch unwillkürlich lebendige (Kurz)-Geschichten. Sie regen zum Weiterdenken an, oft zu humorvollen Interpretationen.

Assoziationen sind in vielen künstlerischen Arbeiten Michael Michlmayrs ein wichtiges Element, in diesem Zyklus wird durch die Anordnung in Paaren besonders auf die Wichtigkeit von Verknüpfungen hingewiesen. Diese sind meist formaler Natur, doch die eigentliche Aussage liegt in aristotelischer Manier auf der inhaltlichen Ebene. So gelingt es dem Künstler auf subtile Art, seine Sichtweise auf die Welt zu vermitteln, die trotz kritischer Haltung philantropischer Natur ist und selbst da sinnstiftend wirkt, wo auf den ersten Blick Trostlosigkeit vorzuherrschen scheint.

Der Faktor Zeit spielt in den meisten Fotoarbeiten des Künstlers eine große Rolle und wird in vielfältiger Weise reflektiert. In „pairs“ fällt der flaniernde Gestus in der Auswahl der Sujets auf – als ob der Fotograf außerhalb des heute üblichen Geschwindigkeitswahns unterwegs sei, um geheime Botschaften zu finden und zu entziffern. Dieses entschleunigende Potential überträgt sich auf die Betrachtenden und lädt dazu ein, dem Spielerischen in uns wieder Raum zu geben.

Karin Seidner Literatin, Performerin www.grauenfruppe.at