ZeitRäume

 

Michael Michlmayrs Arbeiten, in denen er sich mit seiner unmittelbaren urbanen Umgebung auseinandersetzt, wirken auf den ersten Blick wie gekonnte Schnappschüsse – erst wer sich beim Betrachten der dargestellten Räume Zeit nimmt,  beginnt wahrzunehmen, dass hier ein konstruktivistisches Spiel mit der Wirklichkeit getrieben wird.

 

Alltägliche Szenarien, sequenziell von der selben Position aufgenommen, werden zu Raum-Zeit-Kontinua in einem Bild verwoben.

 

Vorkommnisse, Tätigkeiten, Architektur anhand von Einzelbildsequenzen mittels Computerbearbeitung zu Bildpanoramen verdichtet, werden in Mehrfach-Sequenzen desselben Bildausschnittes in szenische Handlungen überführt. Die so entstehenden Montagen strahlen eine eigene, besondere Form visueller Poesie aus, die wie eingefroren wirkenden Bewegungen ergeben ästhetische, graphisch anmutende Sujets.

 

In der weiteren Auseinandersetzung erschließt sich der kritische Gehalt  der Kunstwerke: sie sind ein Schlag gegen unsere visuell orientierte (Medien-)Welt, in der nicht der erzählte Bericht, sondern das Foto als Beweis einer objektiven Wirklichkeit gilt!

 

Darüberhinaus wird uns hier durch die Gleichförmigkeit der Präsentation unter Verwendung des Stilmittels der Wiederholung ein absurdes Alltags-Theater vorgeführt, das  uns ein aktuelles Spannungsfeld vor Augen führt, nämlich Individualität versus Konformität – wir erscheinen immer gleichförmiger in unserem (be)ständigen Streben nach Einzigartigkeit! Entkommen wir der conditio humana durch unser Eilen durch Raum und Zeit?

 

Karin Seidner im Mai 2008